Staatsbürgerliche Pflichterfüllung

Die letzten Wochen habe ich größere Teile meiner Freizeit mit dem Versuch zugebracht, die letzten Demokratiereste in Deutschland vor dem digitalen Verwesen zu bewahren. Rop und ich haben damals gesagt, daß wir uns auch wegen der Eigenmotivation Schlachtfelder aussuchen müssen, auf denen wir auch mal gewinnen können. Dieses mal ging es um Wahlcomputer, und es scheint als könnten wir da vielleicht doch noch die Dinge zum besseren ändern.

Ergebnis der Mühe ist ein äusserst umfangreicher Bericht an das Bundesverfassungsgericht über die Angreifbarkeit von Wahlcomputern , inclusive eines sehr schicken Videos, das zeigt wie schnell man die EPROMs in so einer Kiste tauschen kann . Das Bundesverfassungsgericht hatte den Bericht beim Chaos Computer Club angefragt, um über die Beschwerde von Ulrich Wiesner gegen die Bundestagswahl 2005 zu urteilen.

Der Bericht baut auf der Arbeit von etwa zwei dutzend Mitstreitern in den Niederlanden und in Deutschland auf, ohne die wir es niemals geschafft hätten die Argumente gegen elektronische Wahlen so schön klar und überzeugend darzulegen. Allen, die mitgeholfen haben, dafür auch hier nochmal ein fettes Dankeschön!

Wer zu faul zum lesen des ganzen Berichts ist (die Lektüre ist nach dem, was ich bisher so an Feedback bekam, sowohl unterhaltsam als auch lehrreich) klickt hier für die Zusammenfassung .

Nun bleibt im wesentlichen Abzuwarten, ob das Bundesverfassungsgericht den Mut hat, sich unser Argumentation anzuschliessen. Das Presseecho könnte dank eines ausnahmsweise exzellenten Artikels im Spiegel von dieser Woche (Seite 46 in der Printausgabe, Online-Link ergänze ich sobald vorhanden) doch etwas umfangreicher werden. Schaun wir mal. :-)

PS: weil die Frage in einem Troll-Forum aufkam: Nein, es gab kein Honorar für den Bericht und die Auslagen haben wir auch nicht in Rechnung gestellt.

4 thoughts on “Staatsbürgerliche Pflichterfüllung

  1. Dominik

    Hab mir gerade den ganzen Bericht durchgelesen. Diese Ansammlung an Katastrophen zusammengestellt zu lesen ist beeindruckend. Ich hoffe, er trägt dazu bei, einigen Leuten die Augen zu öffnen, insb. den Richtern natuerlich. ;-)
    Habt vielen Dank für eure Mühen zum Thema Wahlcomputer!

  2. Michael Kostic

    Zunächst einmal DANKE für die Arbeit!

    Aber ich denke nicht das Ihre Bemühungen, in der aktuellen Art und Weise der Ausführung, fruchten können. Hier ein persönliches Beispiel:
    Ich habe drei Kinder am Spandauer Kant-Gymnasium, selbiges dieser Tage eine angeblich “Interne” Qualitätsevaluation durchführt, an der vor allem die Schüler der E-Phase und der 9ten Klassen, sowie deren Eltern, teilnehmen sollen (Ich selbst bin ein einfacher Kaufmann mit IT-Grundkenntnissen aus den 80er und 90er Jahren). Als ich das Infoblatt der Schule erhielt, erklärte ich meiner Frau das weder wir noch unsere Kinder an dieser Evaluation teilnehmen würden, weil die dort noch nicht einmal einen Medienwart hätten und von Computern weniger verstehen würden als meine Jüngste Tochter (Jahrgang 2001). Und was stelle ich heute erschrocken fest? Meinen ältesten Sohn haben diese Freaks am Anfang des s.g. ITG Unterrichts (Informationstechnicher Grundkurs, das ich nicht lache!!!) schon letzte Woche dazu gedrängt sich via ungesichertem Schulcomputer, über eine unverschlüsselte Internet-Verbindung, mit einer ihm und mir unbekannten Organisation zu verbinden, um dort Fragebögen -Online- auszufüllen! Toll! Was soll der Mist? Die haben noch nicht einmal unsere elterliche Zustimmung eingeholt! Und wehren können wir uns gegen diese Art Schwachsinn auch nicht, weil wenn ich nun die Lehrer und den Rektor vor die Dienstaufsicht schleife, kann ich mir sicher sein, dass die auch nur fragen “Ja, ähh, und was war daran so schlimm?”. Die einfachen Unwissenden verstehen eben nicht was DATENSCHUTZ wirklich ist. Und erst recht nicht, was man mit Computern alles anstellen kann! Was wir alle dringend brauchen ist eine neue “systemangepasste” Aufklärung! Aber vom Kindergarten an! Was nutzt es schon, dass Leute wie ich sich mit ihren Kindern hinsetzen und sie auf die Gefahren aufmerksam machen, wenn die Schulen und Behörden diese Aufklärung durch Gruppenzwang (oder meinetwegen auch Dynamik) wieder zerstören? Was ernsthafte Erziehungsverpflichtete brauchen, die ihren Job noch Ernst nehmen, sind Fachleute die sie darin unterstützen den Lehrern aufzuzeigen was alles mit Computern möglich ist! So eine Art “Taskfource” an die man sich in solchen Fällen wenden kann, um derlei unsinnge Ansinnen von Anfang an im Keim zu ersticken. Ach Mist…alles muss man alleine machen…viel Glück euch allen!

  3. Dominik

    Heute war die Anhoerung zur Petition gegen Wahlcomputer:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/91330/from/atom10
    Zum Kotzen, was da Leute von sich geben, entweder wider besseren Wissens oder mangels grundlegender Kenntnis. (“Sachkenntnis macht unsicher!”)
    Auf euren Bericht wird natuerlich kaum eingegangen, nur gebetsmuehlenartig wiederholt: “Die Rent^WWahlcomputer sind sicher!”

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